
Anmerkung:
Zweck dieser Seite ist es, über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an dieser oftmals unbekannten und unterschätzten Front zu informieren, um den Bergsteigern, welche die Dolomiten besuchen, Hintergrundinformationen zu liefern.
Ich habe diese Seite nach der Lektüre von zahlreichen Werken (siehe Bibliographie) zum Gebirgskrieg eigenständig verfasst. Sollte ich dennoch unbewusst und ungewollt versehentlich einmal einen Absatz dem Wortlaut getreu übernommen haben, so bitte ich um eine kurze Benachrichtigung, damit ich ihn entfernen kann.
Inhalt:
1. Übersicht über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an der Südwestfront
2. Die Kämpfe in den Dolomiten
1. Übersicht über den Verlauf des Ersten Weltkrieges an der Südwestfront

Das Königreich Italien war seit dem 20. Mai 1882 mit den beiden Kaiserreichen Deutschland und Österreich-Ungarn im "Dreibund" verbündet. Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. hofften, dadurch den "Heiligen Egoismus" Italiens in Schach zu halten, nachdem dieser 1859 und 1866 zum Verlust der Lombardei und Venetiens geführt hatte.
Am 28. Juni 1914 fiel der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo den Schüssen eines bosnisch-serbischen Nationalisten zum Opfer. Da die Spur der Attentäter nach Belgrad führte, erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg - und löste damit ungewollt den Ersten Weltkrieg aus. Es folgte Kriegserklärung auf Kriegserklärung. Italien erklärte am 3. August seine Neutralität, da es einen österreichisch-ungarischen Gebietszuwachs am Balkan fürchtete.
Zur Jahreswende 1914/15 begann Italien immer unverhohlener, im Gegenzug für die Neutralität österreichische Gebiete zu fordern: Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie Teile von Dalmatien. Kaiser Franz Joseph I. erklärte sich zur Abtretung von Welschtirol (dem heutigen Trentino) und von den italienischen Städten in der Gradiska bereit mit einem Sonderstatus für Triest, verweigerte jedoch die Herausgabe des deutsch besiedelten Südtirols. Daraufhin schloß Italien am 26. April 1915 mit den Alliierten einen Geheimvertrag, der ihm Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie fast ganz Dalmatien zusprach, wenn es innerhalb von vier Wochen der Donaumonarchie den Krieg erklärte. Infolgedessen trat Italien am 4. Mai 1915 aus dem Dreibund aus - und erklärte am 23. Mai 1915 seinem ehemaligen Bundesgenossen Österreich-Ungarn den Krieg!
Der Wortbruch Italiens rief in ganz Österreich-Ungarn eine Welle der Entrüstung, zugleich aber nochmals eine Begeisterung für den gerechten Krieg gegen den Erzfeind hervor. Kaiser Franz Joseph I. erließ noch am 23. Mai 1915 folgendes Manifest:
"An Meine Völker!
Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt. Ein Treuebruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreiche Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden.
Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen Territorialbesitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat Uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager Unserer Feinde übergegangen.
Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet; Wir haben Unseren Bündnispflichten stets getreu entsprochen und ihm Unseren Schirm gewährt, als es ins Feld zog.
Wir haben noch mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blicke über Unsere Grenzen sandte, waren Wir, um das Bundesverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahe gingen,
Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen. Und so muß sich das Schicksal vollziehen. Dem mächtigen Feinde im Norden haben im zehnmonatigen gigantischen Ringen und in treuester Waffenbrüderschaft mit den Heeren Meines erlauchten Verbündeten Meine Armeen siegreich stand gehalten.
Der neue heimtückische Feind im Süden ist ihnen kein neuer Gegner. Die großen Erinnerungen an Novara, Mortara, Custozza und Lissa, die den Stolz Meiner Jugend bilden, und der Geist Radetzkys, Erzherzog Albrechts und Tegetthoffs, der in Meiner Land- und Seemacht fortlebt, bürgen Mir dafür, daß Wir auch gegen Süden hin die Grenze der Monarchie erfolgreich verteidigen werden.
Ich grüße Meine kampfbewährten, siegerprobten Truppen. Ich vertraue auf sie und ihre Führer! Ich vertraue auf Meine Völker, deren beispiellosem Opfermute Mein innigster väterlicher Dank gebührt.
Den Allmächtigen bitte Ich, daß er Unsere Fahnen segne und Unsere gerechte Sache in seine gnädige Obhut nehme."
Noch in der gleichen Nacht griff die gesamte österreichische Flotte die italienische Adriaküste an mehreren Stellen an und konnte dadurch den Aufmarsch des Feindes verzögern.
Österreich-Ungarn war an der neuen Südwestfront stark unterlegen: Sämtliche Truppen standen in Galizien oder Serbien, nur Standschützen und das zu Hilfe eilende Deutsche Alpenkorps konnten zur Verteidigung der Monarchie aufgeboten werden.
Der Kommandeur des Deutschen Alpenkorps, der bayerische General Krafft von Dellmensingen, fragte beim Durchfahren einer Tiroler Ortschaft auf dem Wege zur Front: "Ich sehe im ganzen Dorf keinen einzigen Mann. Nur Weiber, alte Greise und kleine Kinder. Wo sind denn eigentlich alle Tiroler?" "Ihre Blüte liegt in Ostgalizien begraben. Was davon noch lebt, ist eben hinter den Russen her. Und die ganz Jungen und die ganz Alten stehen dort, wo wir eben hinfahren - den Welschen gegenüber", war die Antwort des begleitenden österreichisch-ungarischen Generalstabsoffiziers. Der deutsche General legte darauf die Hand an den Helm und sagte ergriffen: "Ich neige mich vor dem Opfermut des Tiroler Volkes. Etwas Größeres gibt es nicht auf Erden!"
Italiens Haupt-Streitmacht lag am Isonzo und sollte versuchen, nach Triest vorzudringen.
Der Kriegsverlauf:
1915:
23.06.-07.07.: 1. Isonzo-Schlacht
17.07.-10.08.: 2. Isonzo-Schlacht
18.10.-04.11.: 3. Isonzo-Schlacht
10.11.-11.12.: 4. Isonzo-Schlacht
1916:
11.-16.03.: 5. Isonzo-Schlacht
15.05.-17.06.: Österreichisch-ungarische Offensive in Südtirol zwischen Etsch und Val Sugana
1917:
12.05.-05.06.: 10. Isonzo-Schlacht
10.-28.06.: Junischlacht in den Sieben Gemeinden
18.08.-13.09.: 11. Isonzo-Schlacht
24.10.-02.12.: 12. Isonzo-Schlacht
Am 1. November 1918 trafen sich in der Villa Giusti bei Padua die militärischen Vertreter Österreich-Ungarns und Italiens, um einen Waffenstillstand auszuhandeln, der einer Bedingungslosen Kapitulation gleichkam. Nachdem die österreichische Delegation am 2. November um 22 Uhr nach Wien meldete, daß die Unterzeichnung des Vertrages (Artikel 1: "Sofortige Einstellung der Feindseligkeiten.") unmittelbar bevor stand, befahl Kaiser Karl I. am 3. November um 1:20 Uhr seinen Truppen die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, um weiteres völlig unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Erst gegen Mittag erfuhr man, daß in Padua der Waffenstillstand im endgültigen Vertrag auf den 4. November um 15 Uhr festgelegt worden war. Italien nutzte die Situation, drang mit schnellen Truppen bis zum Brenner vor und nahm in diesen 38 Stunden etwa 350.000 österreichische Soldaten gefangen - die nach oberstem Befehl nicht mehr kämpfen durften. Dies ging als "Sieg von Vittorio Veneto" in die italienische Geschichte ein. Italien erhielt alle Gebiete, die ihm die Alliierten versprochen hatten - das Opfer der an der Südwestfront gefallenen Soldaten der österreichischen Völker und Deutschlands war vergeblich gewesen.
2. Die Kämpfe in den Dolomiten

Subrayon V:

2.2 Die Einheiten der Dolomitenfront

2.2.2 Die Kaiserjäger
Feldmarschall Svetozar Boroevic de Bojna: "In meiner mehr als 40jährigen Dienstzeit kenne ich die Kaiserjäger nur als Aristokraten der Infanterie. Ich betrachte sie daher als Gardetruppen und werde sie dort verwenden, wo ich einen todsicheren Erfolg erzielen will."
Am 17. Mai 1815 befahl Kaiser Franz I. die Aufstellung eines neuen Jägerregimentes in Tirol und Vorarlberg. Als besondere Ehrung sollte es den Titel "Tiroler Kaiserjäger" tragen. Mit dem 16. Januar 1816, dieser Tag wird als Geburtstag der Kaiserjäger gefeiert, begann tatsächlich die Aufstellung des Regimentes.
Am 1. Mai 1895 wurde eine Umstrukturierung des bis dahin auf 16 Bataillone angewachsenen sog. Großen Kaiserjäger-Regimentes vorgenommen: Es wurde in vier Regimenter (zu je vier Bataiollonen) umgebildet, die den Titel "K.u.k. 1., 2., 3. und 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger" führten.
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Kaiserjäger 1821 in Neapel und Piemont, 1831 in Modena und Parma, 1848/49 in Lombardei-Venetien, 1849 in Ungarn, 1859 in der Lombardei, 1866 in Tirol und Venetien, 1878 in Bosnien-Herzegowina sowie 1882 in Süddalmatien eingesetzt und galten bereits damals als Elitetruppen.
Mit Beginn des Krieges zwischen Österreich-Ungarn und Rußland im August 1914 kämpften auch die Kaiserjäger an der Ostfront und hatten einen überaus hohen Blutzoll zu beklagen. Ab Juli 1915 wurden die Kaiserjäger nur noch an der Südwestfront - vom Ortler über den Gardasee, die Dolomiten und die Julischen Alpen bis an den Isonzo - eingesetzt.
Traditioneller Treffpunkt der Kaiserjäger ist der Bergisel, auf dem am 13. Oktober 1991 auch die Gedenkfeier anläßlich der Gründung des Kaiserjägerregimentes in Anwesenheit von Dr. Otto von Habsburg stattfand (siehe Bild).


2.2.3 Das Deutsche Alpenkorps
Am 18. Mai 1915 wurde das Deutsche Alpenkorps unter dem Befehl des bayerischen Generals Krafft von Dellmensingen aufgestellt. Es bestand aus dem Bayerischen Infanterie-Leibregiment ("Leiber") und insgesamt drei Jägerregimenten aus Bayern, Preußen, Hannover und Württemberg. Nur eine Woche später wurden die Truppen an die Dolomitenfront verlegt, wo sie von Ende Mai bis Herbst 1915 Österreichs letztes Aufgebot verstärkten, bis sie durch reguläre Truppen (Kaiserjäger und Landesschützen) abgelöst wurden. Dabei durften die Deutschen nur innerhalb Österreich-Ungarns kämpfen und keinesfalls die italienische Grenze überschreiten, da Italien dem Deutschen Reich erst am 27. August 1916 den Krieg erklärte.
2.2.4 Die Standschützen
Nachdem der Landsturm (Schützen zwischen dem 33. und dem 42. Lebensjahr) bereits zu Kriegsbeginn ausgehoben worden war und bis Mitte 1915 an allen Fronten kämpfte, bevor er nach Tirol zurückkehrte, wurden am 18. Mai 1915 zur Verteidigung Tirols die Standschützen aufgeboten: Diese bildeten das letzte Aufgebot und umfaßten alle Männer, die älter als 16 Jahre waren, einschließlich Untauglicher und nicht Kriegsdienstpflichtiger Freiwilliger.

2.2.5 Spezialeinheiten
- Die Sturmformationen: Sie sind gleichsam eine Frucht des Stellungskrieges. Wenn die bewaffneten Kräfte monatelang unbeweglich einander gegenüberstanden, mußte die gegnerische Front nach Schwachstellen abgeklopft, mußten Angriffsabsichten aufgeklärt, mußten nicht zuletzt die Truppen, neben dem Stellungsbau, im Einsatz geübt werden. Zu diesem Zweck wurde Anfang 1917 eine Kaiserjäger-Sturmkompanie mit Nahkampfabteilung (Minenwerfer, Wurfgranaten, Flammenwerfer usw.) und eine hochalpine Kaiserjäger-Sturmhalbkompanie aufgestellt.
- Die Streifkompanien (später Hochgebirgskompanien): Die Streifkompanien sind die Hochgebirgsformationen der Kaiserjäger. Sie wurden im Sommer 1915 zusammengestellt, um die ausgedehnten Hochgebirsgstellungen der Kaiserjäger mit Erfolg verteidigen zu können. Ihre Offiziere und Mannschaften waren zu einem nicht geringen Teil bergbegeisterte und berggeübte Freiwillge, die sich aus den vier Kaiserjägerregimentern für diese Spezialaufgabe meldeten. Daneben gab es noch Bergführerkompanien und Skidetachements.
2.2.6 Die Alpini
Im Jahre 1872 war die italienische Gebirgstruppe errichtet worden und erhielt den Namen Alpini. Sie ist die älteste Hochgebirgstruppe der Welt. Sie bestand 1916 aus 8 Regimentern, die an der gesamten Südwestfront zum Einsatz kamen.
2.3 Die einzelnen Frontabschnitte
In diesem Kapitel möchte ich kurz sowohl den Frontverlauf in jedem Abschnitt als auch bedeutende Ereignisse bschreiben:
2.3.2 Col di Lana
Der Col di Lana, von den Italienern auch Col di Sangue (Berg des Blutes) genannt, war einer der Eckpfeiler der Dolomitenfront - und zugleich einer der am heiß umkämpftesten Berge der Geschichte. Im Gegensatz zum vergletscherten, hohen Kampfgelände der Marmolata sowie im Gegensatz zu den schwierig zu bekämpfenden Felsen des Lagazuoi und der Tofanen bot der Col di Lana nicht nur die Chance, an tiefer Stelle durchzubrechen, sondern er förderte auch die italienischen Hoffnungen, im alpinistisch einfachen Almgelände des Col di Lana mit großen Massen durchbrechen zu können.
Von Kriegsbeginn an rannten die Italiener vergeblich gegen die deutsch-österreichischen Stellungen an. Am 7. November 1915 eroberten sie den Gipfel, verloren ihn jedoch schon am gleichen Tage. Am 15. Dezember griffen die Italiener zum letzten Mal 1915 an - zugleich zum 97. Mal!
Nun begann der Minenkrieg: Am 17. April 1916 brach über den Gipfel des Col di Lana ein Inferno herein: Nach schwerstem Beschuß durch eigene Geschütze sprengten die Italiener mit 5.020 kg Dynamit den Gipfel mitsamt der österreichischen Besatzung in die Luft. Die Österreicher zogen sich auf den wenige Meter entfernten Monte Sief zurück und hielten sich dort bis zum Kriegsende.
Am 6. März 1917 zündeten die Italiener eine Mine am Monte Sief, die aber weder Verluste noch Geländeveränderungen brachte. Am 27.September 1917 erfolgte eine zweite, erfolglose Minenzündung der Italiener. Am 21. Oktober 1917 sprengten die Österreicher den Verbindungsgrat zwischen Col di Lana und Monte Sief mit 45.005 kg Sprengstoff - doch auch dies brachte keinen Frontwechsel. Nur zwei Wochen später zogen sich die Italiener aufgrund der 12. Isonzo-Schlacht zurück.
2.3.3 Valparola, Sasso di Stria, Falzarego und Lagazuoi
Vom Monte Sief verlief die Front weiter über den Sett Saß, den Valparola-Paß, den Sasso di Stria (Hexenfels oder Hexenstein) und den Falzarego-Paß auf den Kleinen Lagazuoi.
Der Sasso di Stria sperrte durch seine beherrschende Lage - zusammen mit dem Sperrfort Tre Sassi - die Dolomitenstraße und den Zugang zum Gadertal. Nachdem die Italiener am 14. Juni 1915 den Hexenfels im Handstreich eroberten, wurden sie am 18. Juni wieder vertrieben. Die Österreicher bauten ihn danach unaufhörlich mit Stellungen und einem langen Versorgungsstollen aus. Diese waren notwendig, nachdem die Italiener sich seit Oktober 1915 in der Wand des Kleinen Lagazuoi, dessen Gipfel österreichisch war, auf einem Felsband verschanzten (Cengia Martini) und von hier aus die österreichischen Nachschublinien unter Beschuß nehmen konnten.
Versuche, die Italiener mit Infanterie von der Cengia Martini zu vertreiben, scheiterten. Daraufhin begann auch im Lagazuoi der Minenkrieg. Insgesamt erfolgten fünf Minensprengungen: Die Österreicher zündeten vier Minen zur Vertreibung der Italiener von der Cengia (1. Janauar 1916 mit 300 kg, 14. Januar 1917 mit 4.300 kg, 22. Mai 1917 mit 30.480 kg und 16. September 1917 mit 5.000 kg Sprengstoff), die Italiener eine Mine zur Eroberung des Kleinen Lagazuoi (20. Juni 1917 mit 32.664 kg Sprengstoff in einem 1.100 m langen, heute noch begehbaren Stollen). Obwohl die Minen unglaubliche Mengen an Gestein zum Absturz brachten (was heute noch sichtbar ist), brachte doch keine den gewünschten Erfolg.
2.3.4 Fanes, Travenanzestal und Tofana I, II, III
Die österreichischen Linien verliefen vom Kleinen Lagazuoi über die Lagazuoischarte zum Großen Lagazuoi, dem Gasserdepot, der Fanisscharte, dem Fanisturm, dem Monte Cavallo, dem Monte Castello, den Furcia Rossa-Spitzen, den Monte Vallon Bianco und das Travenanzestal bis zu den Fanessperren. Die Italiener saßen auf den drei Tofanen, dem Formenton und dem Col Rosa. Zu Kriegsbeginn waren der Col de Bois und die Tofana I di Rozes in österreichischer Hand, doch wurden sie im Oktober 1915 zur Frontverkürzung geräumt. Den Castelletto und die Fontana Negra-Scharte verloren die Österreicher sogar erst im Juli 1916.
In diesem Bereich hatten zwei überaus befähigte, bekannte und beliebte Offiziere das Kommando: Den Kampfabschnitt Lagazuoi befehligte der Kaiserjäger-Hauptmann Carl von Raschin (Hauptquartier Fanisscharte), den Kampfabschnitt Fanes der Landesschützen-Hauptmann Emanuel Baborka.
Bereits am 20. Juli 1915 fiel in der Fontana Negra-Scharte der italienische General Cantore durch Kopfschuß. Im Juli 1916 kam es zu den wichtigsten Kämpfen in diesem Frontabschnitt: Am 8. Juli setzte schweres Infanteriefeuer der Italiener ein, das sich auf die Fontana Negra-Scharte konzentrierte. Daraufhin stürmten die Alpini in immer neuen Wellen gegen die österreichischen Stellungen an. Am späten Nachmittag eroberten die Italiener die Scharte. Bei einem erfolglosen Gegenstoß unter Führung von Hauptmann Baborka fiel dieser durch Kopfschuß. Nach ihm wurde rund 60 Jahre später ein Biwak der Dolomitenfreunde in den Furcia Rossa-Spitzen benannt. Am 9. Juli eroberten die Italiener auch die Feldwache Dickschädel auf einem Vorgipfel der Tofana I; die Feldwache Nemesis in den Wänden der Tofana III seilte sich am 10. Juli, nachdem die Munition verschossen war, vier Nachte lang - ohne Proviant - an der Tofanawand in das Travenanzestal ab und meldete sich bem österreichischen Kommando zurück.
Doch noch gab es die österreichischen Stellungen am Schreckenstein/Castelletto am Fuße der Tofana I. Um diese auszuheben, wurde bereits seit Januar 1916 an einem Minenstollen gearbeitet. Am 11. Juli zündeten die Italiener die mit 35.000 kg Sprengstoff gefüllte Mine. Die überlebenden Österreicher verteidigten sich verbittert und zogen sich erst am 13. Juli zurück. Bis zum Kriegsende blieb die Front unverändert.
Die bedeutendste österreichische Einheit im Bereich des Lagazuoi, der Fanes und der Tofanen war die Kaiserjäger-Streifkompanie 6 unter dem Kommando von Hauptmann Raschin. Zu ihr gehörten auch die Leutnants von Call, Dr. Sild, Schneeberger (alle Besitzer der Goldenen Tapferkeitsmedaille) und Luis Trenker, der seine Erlebnisse an diesem Frontabschnitt später in dem Buch und Film "Berge in Flammen" erzählte.
2.3.5 Cristallo
Vom Monte Piano verlief die österreichische Front weiter über den Rauchkofel, den Schönleitenschneid, Forame und Rufreddo bis an die Son Pauses-Sperre, während sich die Italiener am Cristallo-Hauptkamm festsetzten.
Es kam während des gesamten Krieges nur zu kleineren Gefechten.
2.3.6 Monte Piano
Der Monte Piano steht beherrschend wie eine Festung über der Straße vom Misurina-See in das Pustertal. Sowohl für Österreicher, welche die Nordkuppe besetzten, als auch für Italiener, welche die Südkuppe in Besitz nahmen, war der Besitz des Berges von höchster Bedeutung. Doch trotz heftiger Kämpfe konnte keine Seite die andere aus ihren Stellungen vertreiben.
Heute ist das gesamte Gipfelplateu des Monte Piano ein Freilichtmuseum des Dolomitenkrieges.
2.3.7 Sextener Dolomiten
In den Sextener Dolomiten verlief die Front von Osten nach Westen: Seikofl, Kreuzberg-Paß, Rotwand-Spitze, Sentinella-Scharte, Elfer-Scharte, Toblinger Knoten / Paternkofel, Schwabenalpenkopf, Katzenleiterkopf.
Im Osten konzentrierten sich die Kämpfe auf die Sentinella-Scharte, die direkt zwischen dem italienisch besetzten Elfer und der von Österreichern gehaltenen Rotwand liegt.
Im Westen waren der Toblinger Knoten (österreichischer Eckpfeiler), der Sextenstein (italienische Kopfstellung) und zu Kriegsbeginn auch der Paternkofel Hauptkampfpunkte. Am 4. Juli 1915 fiel bei der Erstürmung des Paternkofels der bekannte Bergführer Sepp Innerkofler, der noch wenige Wochen zuvor Hüttenwirt der Drei-Zinnen-Hütte gewesen war.
Als weiterführende Literatur wird empfohlen:
Walther Schaumann: Schauplätze des Gebirgskrieges in 5 Bänden (Ghedina & Tassotti Editori, Cortina, 1973)
Kompaß-Wanderkarte Nr. 972: Die Dolomitenfront 1915/17 - Geschichtsführer (Geographischer Verlag, Starnberg, o.J.)
Professor Walther Schaumann (1923-2004), ehemaliger Oberst des österreichischen Bundesheeres, bereiste seit seiner frühen Kindheit die gesamte Südwestfront. Er ist Träger des Ludwig-Jedlicka Gedächtnispreises für Zeitgeschichte. 1973 gründete er den Verein der "Dolomitenfreunde": In ununterbrochener Arbeit stellte er mit freiwilligen Helfern seither zahlreiche Kriegswege wieder her und machte sie dadurch zu Friedenswegen, getreu dem Motto: "Wege, die einst Fronten trennten, sollen heute verbinden." Die Dolomitenfreunde haben unter anderem folgendes geleistet:
- Instandsetzung von über 300 km alpiner Weganlagen: Vom Col di Lana über den Hexenfels und den
Kleinen Lagazuoi am Falzaregopaß, vom Gipfel der Tofana III über Formenton und Ravalles, in der Fanesgruppe vom Monte Vallon
Bianco über die Furcia Rossa-Spitzen bis zum Monte Piano und dem Toblinger Knoten im Raum Drei Zinnen erstreckte sich das Arbeitsgebiet in den ersten 10 Jahren und verlagerte sich dann an den Karnischen Kamm mit dem Plöckenpaß.
- Errichtung von zwei bewirtschafteten Schutzhütten (Porzehütte, Standschützenhütte/Filmoor), drei Biwaks (Monte Castello, Furcia Rossa, Mitterkar) und der Capanna Carducci am Monte Piano.
- Errichtung der Freilichtmuseen am Monte Piano und am Plöckenpaß.
- Einrichtung des Museums 1915-18 in Kötschach-Mauthen.
Sein oben aufgeführtes Werk (das inzwischen mehrfach neu aufgelegt worden ist) behandelt die gesamte Front vom Pasubio bis in die Westlichen Julischen Alpen. Dabei beschreibt Prof. Schaumann einerseits in einzelnen Kapiteln die Kriegsereignisse in jedem Abschnitt, andererseits veröffentlicht er für jeden Bereich zahlreiche Tourenvorschläge, die er selbst begangen hat, und bei denen er auf alle militärhistorisch interessanten Orte verweist. Insgesamt umfassen die fünf Bücher nahezu 2.000 Seiten mit über 600 Touren und unzähligen Illustrationen.
Alles in allem ein erstklassiges Werk für alle, welche die Schauplätze der Front einmal selbst besuchen wollen.
Dieses Werk besteht aus zwei Teilen:
1. Zum einen wird auf einer aktuellen Landkarte mit dem Maßstab 1:50.000 die Front des Ersten Weltkrieges aufgezeigt mit der alten österreichisch-italienischen Grenzziehung von 1914 und einer kurzen Beschreibung aller bedeutenden lokalen Ereignisse.
2. Den zweiten Teil bildet ein 48-Seiten dickes Heftchen von Rudolf Schwindl, welches die Kämpfe in den Dolomiten zwar kürzer als Schaumanns Werk, aber immer noch ausführlich und präzise schildert.
Insgesamt ein sehr gutes Werk, um eine grobe Übersicht über den Ort und den Verlauf der Kämpfe in den Dolomiten zu bekommen.
Bibliographie:
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